Wo waren wir? Ach ja, beim Freuen auf den Kurs... vorher gab es aber noch etwas zu tun: Denn in der ersten Nacht musste ich mit dem löchrigen Moskitonetz des Hotels vorlieb nehmen, was prompt mit einem Mückenstich am linken Unterarm belohnt wurde. Umso grösser war die Freude, am Sonntag Abend mit Hansens Bohrmaschine 4 Löcher in die Hotelwände zu hämmern und dann das neue, imprägnierte Netz um das ganze Bett zu spannen. Kommt her ihr Mücken!!!
Der Montag begann für die Kursteilnehmer (2 Frauen und 12 Männer) mit einer Aufgabe: sie sollten ihre Stationen in 3 Minuten gegenseitig vorstellen. Was uns zeigen würde, wie hier gearbeitet wird. Das Resultat: 1 enrobé (gestalteter Beitrag) und 6 Interviews im Bereich von 2,5 - 6 Minuten. Zum ersten Mal kommen nun die ersten MiniDisc-Geräte zum Einsatz: nach nur 3 Minuten Anleitung düsen die ReporterInnen los!
Ein Thema für den 2. Tag: wir diskutieren über die Recherchen, Vorbereitungen für die Aufnahmen im Feld usw... und dann kommt der Nachrichtenkurs: es ist gar nicht so einfach aus einem 2-seitigen Text der Agence France Presse eine Meldung zu schreiben, die nur 25-30 Sekunden dauern darf. Von 33 bis 50 Sekunden ist alles dabei! Also nochmals etwas diskutieren, einen Aspekt auswählen und dann kommts doch noch gut!Am Mittwoch und Donnerstag dreht sich alles um den Journalismus in Konfliktgebieten. Spannend ist der Einstieg: Hansjörg verteilt etwa 200 Smarties und ein paar Lindt-Schöggeli völlig ungerecht in Teller. Die Aufgabe ist nun, möglichst viel derselben Farbe zu haben und dabei möglichst geschickt zu verhandeln, was einiges an Konfliktpotential birgt. An diesen beiden Tagen haben wir einen Gastreferenten: Aloys, Chefredaktor einer Radiostation in Bujumbura (Burundi), mit mehr als 10 Jahren Erfahrung im Friedensjournalismus. Er schaut mit uns verschiedene Texte an und versucht zu sensiblisieren: was können JournalistInnen tun, um einem Konflikt nicht noch mehr Vorschub zu leisten? Der Teufel steckt in den Details: es fängt bei der Wahl der Interviewpartner an und hört mit dem Vermeiden von gewissen Wörtern, die für die eine oder andere Partei sprechen) nicht auf. Aloys bringt seine Thesen mit einer Ruhe unter die Leute, die unter die Haut geht. Gut einen einheimischen Praktiker zu haben, der wirklich weiss, wovon er spricht. Es ist eine sehr lehrreiche Erfahrung, die hoffentlich auch bei uns etwas nachwirken wird. Die Praxis kommt auch hier nicht zu kurz. Und die Einsicht, wo wir bei der Ausbildung noch Schwerpunkte setzen können.
Am Freitag gibt es dann auch für uns Formateurs eine kleine Abwechslung. Wir fahren zur Basis der MONUC in Bukavu und besuchen Radio Okapi, das hier ein Studio betreibt und von Montag bis Freitag eine Stunde "Regionaljournal" für den Südkivu sendet. Chefredaktor Florian (aus Freiburg im Üechtland) hat an diesem Tag etwas Personalmangel, nur 3 Journalistinnen sind in der Redaktion, weil viele unterwegs sind. Auch Okapi kocht nur mit (UNO)-Wasser, dennoch hat das Radio eine Art Vorbildfunktion. Am grossen Konferenztisch entwickelt sich eine lebhafte Diskussion.
Auf der Heimfahrt gibt es eine Lektion Do-It-Yourself à l'Africaine: unser Auto bleibt stehen und wir brauchen eine Batterie als Stromspender. Überbrückungskabel? Fehlanzeige. Also wird die Spenderbatterie so in den Motorraum gehalten, dass möglichst wenig Säüre raustropft und mit 2 Gabelschlüsseln wird der Kontakt hergestellt. Wir kommen rechtzeitig zum Mittagessen!!!
Am Nachmittag steht wieder Praxis auf dem Programm: vor allem die Planung von Beiträgen und Sendungen kommt oft zu kurz und wird deshalb etwas intensiver geübt. Eine "gluschtige" Ansage soll zum Beitrag führen, was mehr oder weniger gut gelingt. Die erste Kurswoche, die wir an einem festen Standort verbracht haben, geht langsam zu Ende, in der 2. Woche wollen wir dann jeden Tag ins Feld. Interessant war für mich, wie die 14 Leute offen und direkt diskutiert haben, auch die Techniker, die dann von den Journalisten nur schwer zu unterscheiden waren.
BITTE GEDULD: Die Internetleitung ist so schwach, dass wir die Bilder erst später in den Blog stellen können...
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