Freitag, 31. Oktober 2008

Bis bald...

Liebe Blogleserinnen- und leser

Die Internetverbindung ist im Hotel immer noch etwas volatil... wir werden deshalb erst nächste Woche - zurück in der Schweiz - Fotos und etwas Geschichte nachreichen, z.B. die Übergabe der Diplome und anderes mehr...

Morgen Samstag machen wir uns auf die Rückreise... mit vielen Eindrücken im Gepäck und im Wissen, dass es 100 Kilometer nördlich von hier vielen Menschen gar nicht gut geht...

Bleibt dran und bis nächste Woche...

Karibu aus Bukavu (leicht bewölkt, 25 Grad)

Montag, 27. Oktober 2008

Die erste Kurswoche

Wo waren wir? Ach ja, beim Freuen auf den Kurs... vorher gab es aber noch etwas zu tun: Denn in der ersten Nacht musste ich mit dem löchrigen Moskitonetz des Hotels vorlieb nehmen, was prompt mit einem Mückenstich am linken Unterarm belohnt wurde. Umso grösser war die Freude, am Sonntag Abend mit Hansens Bohrmaschine 4 Löcher in die Hotelwände zu hämmern und dann das neue, imprägnierte Netz um das ganze Bett zu spannen. Kommt her ihr Mücken!!!





Der Montag begann für die Kursteilnehmer (2 Frauen und 12 Männer) mit einer Aufgabe: sie sollten ihre Stationen in 3 Minuten gegenseitig vorstellen. Was uns zeigen würde, wie hier gearbeitet wird. Das Resultat: 1 enrobé (gestalteter Beitrag) und 6 Interviews im Bereich von 2,5 - 6 Minuten. Zum ersten Mal kommen nun die ersten MiniDisc-Geräte zum Einsatz: nach nur 3 Minuten Anleitung düsen die ReporterInnen los!






Ein Thema für den 2. Tag: wir diskutieren über die Recherchen, Vorbereitungen für die Aufnahmen im Feld usw... und dann kommt der Nachrichtenkurs: es ist gar nicht so einfach aus einem 2-seitigen Text der Agence France Presse eine Meldung zu schreiben, die nur 25-30 Sekunden dauern darf. Von 33 bis 50 Sekunden ist alles dabei! Also nochmals etwas diskutieren, einen Aspekt auswählen und dann kommts doch noch gut!





Am Mittwoch und Donnerstag dreht sich alles um den Journalismus in Konfliktgebieten. Spannend ist der Einstieg: Hansjörg verteilt etwa 200 Smarties und ein paar Lindt-Schöggeli völlig ungerecht in Teller. Die Aufgabe ist nun, möglichst viel derselben Farbe zu haben und dabei möglichst geschickt zu verhandeln, was einiges an Konfliktpotential birgt. An diesen beiden Tagen haben wir einen Gastreferenten: Aloys, Chefredaktor einer Radiostation in Bujumbura (Burundi), mit mehr als 10 Jahren Erfahrung im Friedensjournalismus. Er schaut mit uns verschiedene Texte an und versucht zu sensiblisieren: was können JournalistInnen tun, um einem Konflikt nicht noch mehr Vorschub zu leisten? Der Teufel steckt in den Details: es fängt bei der Wahl der Interviewpartner an und hört mit dem Vermeiden von gewissen Wörtern, die für die eine oder andere Partei sprechen) nicht auf. Aloys bringt seine Thesen mit einer Ruhe unter die Leute, die unter die Haut geht. Gut einen einheimischen Praktiker zu haben, der wirklich weiss, wovon er spricht. Es ist eine sehr lehrreiche Erfahrung, die hoffentlich auch bei uns etwas nachwirken wird. Die Praxis kommt auch hier nicht zu kurz. Und die Einsicht, wo wir bei der Ausbildung noch Schwerpunkte setzen können.

Am Freitag gibt es dann auch für uns Formateurs eine kleine Abwechslung. Wir fahren zur Basis der MONUC in Bukavu und besuchen Radio Okapi, das hier ein Studio betreibt und von Montag bis Freitag eine Stunde "Regionaljournal" für den Südkivu sendet. Chefredaktor Florian (aus Freiburg im Üechtland) hat an diesem Tag etwas Personalmangel, nur 3 Journalistinnen sind in der Redaktion, weil viele unterwegs sind. Auch Okapi kocht nur mit (UNO)-Wasser, dennoch hat das Radio eine Art Vorbildfunktion. Am grossen Konferenztisch entwickelt sich eine lebhafte Diskussion.

Auf der Heimfahrt gibt es eine Lektion Do-It-Yourself à l'Africaine: unser Auto bleibt stehen und wir brauchen eine Batterie als Stromspender. Überbrückungskabel? Fehlanzeige. Also wird die Spenderbatterie so in den Motorraum gehalten, dass möglichst wenig Säüre raustropft und mit 2 Gabelschlüsseln wird der Kontakt hergestellt. Wir kommen rechtzeitig zum Mittagessen!!!

Am Nachmittag steht wieder Praxis auf dem Programm: vor allem die Planung von Beiträgen und Sendungen kommt oft zu kurz und wird deshalb etwas intensiver geübt. Eine "gluschtige" Ansage soll zum Beitrag führen, was mehr oder weniger gut gelingt. Die erste Kurswoche, die wir an einem festen Standort verbracht haben, geht langsam zu Ende, in der 2. Woche wollen wir dann jeden Tag ins Feld. Interessant war für mich, wie die 14 Leute offen und direkt diskutiert haben, auch die Techniker, die dann von den Journalisten nur schwer zu unterscheiden waren.

BITTE GEDULD: Die Internetleitung ist so schwach, dass wir die Bilder erst später in den Blog stellen können...

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Sonntag, 19.10.2008: Spaghetti unter dem Avocadobaum!

Der erste ganze Tag in Bukavu. Wir ziehen im Haus von Hansjörg die Hilfsgüter zusammen und konkretisieren am runden Tisch auf dem Balkon das detaillierte Kurs-Programm der ersten Tage. Seit Stunden köchelt eine leckere hausgemachte Pastasauce auf dem Herd. Im Keller gibt's derweilen eine grosse Auslegeordnung der mitgebrachten Geräte, vom MiniDisc bis zum LapTop. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches "Merci" allen, die uns unterstützt haben. Der Sonntag war heftig und der Blogeintrag nur kurz. Wir freuen uns auf den Start mit den RadiomacherInnen aus Bukavu!

Samstag, 18.10.2008: Schöne Aussichten


Route: Kigali (Ruanda) – Kamembe/Cyangugu (Ruanda) – Bukavu (DR Kongo)

Weiter geht’s von Kigali mit einem Inlandflug: Die Propellermaschine mit 36 Plätzen könnte auch auf der Linie London City – Bern Belp fliegen (das waren noch Zeiten!!!). Und etwa so klein wie Belp vor dem Umbau ist dann auch der Flughafen von Kamembe/Cyangugu, nur wenige Kilometer von der Grenze und unserem Ziel entfernt: hier holt man das Gepäck noch selber vom Rollfeld! Ein Kollege von Radio Maendeleo und der Chauffeur des Senders bringen uns an die Grenze, wo noch der Formularkrieg wartet: Eine halbe Stunde nach der Ankunft und dem Einwanderungsformular, gibt’s des selbe mit „Aus“ statt „Ein“… Über eine schmale Brücke kommen wir endlich in die DR Kongo und das Zollhäuschen will nur den Impfausweis sehen. Im Hotel merkt der Afrika-Anfänger dann, dass er schlecht vorbereitet ist: der Kofferträger möchte nämlich ein Trinkgeld und in Reichweite hat’s nur eine 10 Dollar-Note… Thomas zahlt dann halt ein kleines Lehrgeld und die herrliche Aussicht vom Hotelbalkon gleich dazu. Was der Samstag sonst noch brachte: ein erster Besuch bei Radio Maendeleo und das Abendessen im Restaurant mit Blick auf den Kivusee.

Freitag, 17.10.2008: Hoch lebe Henry!!!


Route: Zürich – Brüssel – Entebbe (Uganda) – Kigali (Ruanda)

Was kann man vom Fliegen schon berichten? Dass man immer wieder unnötig lang anstehen muss, um an Röntgengeräten den Deziliter „Antibrumm forte“ in einem Plastikbeutel durchleuchten zu lassen? Dass es wohl keinen schlechter ausgeschilderten Flughafen gibt, als den von Brüssel? Oder dass einem in Zürich die Kollegin am Check-In-Helpdesk aus den SUVA-Vorschriften vorliest, weil der mit Hilfsgütern beladene Koffer 35,7 Kilo wiegt, statt der maximal 32 Kilo, die man einem Kofferträgerrücken zumuten kann? Sicher, man könnte darüber berichten, aber die Zeilen des Tages widmen wir Henry, dem wohl unaufgeregtesten und freundlichsten Visumsschalterbeamten in Entebbe. 2 Minuten, nachdem wir Afrika zum ersten Mal betreten haben, blättert Henry unsere Pässe durch und fragt lachend, warum wir Anfänger für 30 Minuten Transit in Uganda ein Visum beantragt hätten. Die ugandische Vertretung in Genf sah das ja ganz anders und hat die Devisen gern eingesackt… Unser Henry aber winkt weiter mit den Pässen, verspricht hoch und heilig, er werde sich um unser Gepäck kümmern und führt uns an allen Kontrollen vorbei ins Flughafenkaffee. Irgendwann, als alle schon ein bisschen nervös sind, kommt Henry - dank gelber Signalweste von weitem sichtbar - mit allen Pässen und Bordkarten zurück. Mit allen? Nein, meine Dokumente gingen natürlich vergessen. „Oh sorry, Mister Thomas, don’t worry, i’ll be back in 5 minutes!!“ Wir haben‘s dann easy auf den 3. Und letzten Flug dieses langen Tages geschafft und das Novotel in Kigali war auch ohne Moskitonetz ein Ort, der noch etwas von der alten Welt hatte und den erwarteten Kulturschock etwas aufschob…

Bild: Novotel Kigali (Foto von Michael)

Montag, 20. Oktober 2008

le premier

Gut, einer muss ja mal den Anfang machen. Wir sind nun schon seit Samstag hier in Bukavu. Heute war der erste Ausbildungstag oder wie man so schon sagt: Journée de formation.

Nun, erste Eindrücke: Die Leute da sind im Prinzip freundlich, schauen dich als Weisser zwar an, als wäre man ein Geist und versuchen natürlich bei jeder Gelegenheit dir etwas Geld abzuluchsen. Ist ja aber auch nicht verwunderlich. 150 Kilometer nördlich ist Krieg zwischen der Kongolesichen Armee und der Armee des Rebellen Laurent Nkunda. Nicht gerade beruhigend, die Beobachter der Vereinigten Nationen schätzen die Lage in Bukavu aber nicht als unzumutbar ein.

Die Teilnehmer an der Ausbildung sind sehr lernbegierig, lebendig und wirken sehr motiviert. Hoffentlich bleibt das auch so. Wie ich schon vermutet habe, habe sie einen ziemlich unverkrampften Zugang (rein psychisch) zu Digitalen Medien. Computer und Internet können die Leute also bedienen, oder versuchen es zumindest. Meine paar wenigen Tips heute stiessen auf fruchtbaren Boden, so wollten alle auch ihre Aufnahmen mit den alten Kassettengeräten gleich auf den Ausbildungslaptops digitalisieren.

Da ich leider keine Digitalkamera habe, muss ich das heraufladen der Bilder meinen Kollegen überlassen. (Zum Glück, denn über die Satellitenverbindung die wir da haben, dauert das ewig). Aber Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte, deshalb ist für mich nun auch Schluss für Heute.